Was für Wohneigentümer und Mieter als lästige Pflicht gilt, ist für viele Städte und Kommunen eine wichtige zusätzliche Einnahmequelle: die Zweitwohnungssteuer. Dabei war die Abgabe ursprünglich gar nicht als Städte-Steuer geplant. Vielmehr sollte sie die starke Entwicklung von Ferienimmobilien in Städten eindämmen.

Erstmals belegt ist die Pflichtabgabe in der Bodenseegemeinde Überlingen für das Jahr 1972. Laut des damaligen Stadtkämmerers sollten all diejenigen, die einen Zweitwohnsitz in der Gemeinde besaßen, einen Ausgleich dafür zahlen, dass sie die „Infrastruktur in Anspruch nehmen, aber nicht zu deren Finanzierung“ beitragen. Einige Jahre später folgten einzelne deutsche Metropolen.

Anhand des Beispiels Berlin seien im Folgenden die Regeln und Ausnahmen erklärt, die mittlerweile vielerorts gelten. Zieht jemand neu in eine Stadt und behält seinen Hauptwohnsitz, ist er verpflichtet, binnen vier Wochen seinen Zweitwohnsitz dort anzumelden. Anschließend muss er dem örtlichen Finanzamt die Höhe der Jahresmiete mitteilen, anhand der die Zweitwohnungssteuer berechnet wird. Das Finanzamt zieht den Steuerbetrag einmal im Jahr ein. Seit Anfang Januar 2019 hat Berlin den Steuersatz von fünf auf fünfzehn Prozent der Nettokaltmiete erhöht. Damit sind Berlin und Sylt bundesweit die Spitzenreiter bei der Steuerhöhe.

Ausgenommen von der Zweitwohnungssteuer sind Ehepaare und eingetragene Lebenspartnerschaften, wenn ein Partner einen Zweitwohnsitz anmeldet, um in der entsprechenden Stadt zu arbeiten. Ebenfalls von der Steuer befreit sind Menschen, die ein Zimmer in einem Altenheim, Pflegeheim oder einer vergleichbaren Gemeinschaftsunterkunft bewohnen. Das gilt wiederum bis auf wenige Ausnahmen nicht für Studenten und auch nicht für Wohngemeinschaften, bei denen die Zweitwohnungssteuer nach der privaten Nutzfläche sowie anteilig anhand der Gemeinschaftsnutzfläche bemessen wird.

Auch Wohneigentümer müssen zahlen

Grundsätzlich zahlen auch Wohneigentümer am Zweitwohnsitz in ausgewählten Orten die Pflichtabgabe, wenn sie unverheiratet sind und die Immobilie nicht dauerhaft vermietet ist. Die Höhe der Abgabe für Selbstnutzer wird am jeweils geltenden Mietspiegel bemessen und bezieht sich immer auf den Jahresdurchschnitt. Der Steuersatz fällt je nach Stadt unterschiedlich aus. In Hamburg beträgt die Zweitwohnungssteuer derzeit acht Prozent der Nettokaltmiete und in Stuttgart zehn Prozent. Neun Prozent sind es in München. Bisher ist nur aus der bayerischen Landeshauptstadt eine Sozialklausel bekannt. Alleinstehende, deren Jahreseinkommen weniger als 29.000 Euro beträgt, sowie Paare, die unterhalb von 37.000 Euro Jahreseinkommen liegen, können sich auf Antrag von der Zweitwohnungssteuer befreien lassen. Diese Sätze gelten auch für Studierende.