Ob spontane Küchenparty, besetztes Badezimmer oder falsche Socken im eigenen Kleiderschrank – wer kennt es nicht, das turbulente Leben in einer Wohngemeinschaft. Viele junge Leute erinnern sich gerne an diese oftmals prägende Zeit. Das erste Mal fort von zu Hause, die Eindrücke einer fremden Stadt, kaum Geld und keine sozialen Kontakte. Da kann eine Wohngemeinschaft der Fels in der Brandung sein.

Wurden sie noch Ende des 20. Jahrhunderts schräg beäugt und galten als Ausnahme, so geht der Trend in den Großstädten seit der Jahrtausendwende immer mehr in Richtung WG. Ob für alt oder jung, es gibt sie in vielen Facetten, für die unterschiedlichsten Berufsgruppen. Neben den Studenten, die das Klischeebild eines WG-Bewohners verkörpern, haben zunehmend auch Berufstätige und Senioren diese Wohnart für sich entdeckt. Für die einen ist es die preiswerte Alternative zur geschäftlichen Zweitwohnung, für die anderen das Mittel gegen Einsamkeit.

Für Vermieter hingegen sind WGs oftmals ein bürokratisch undurchsichtiger Dschungel, zumal diese Art des Zusammenlebens im Mietrecht nicht klar geregelt ist. Wohnungseigentümer, die ihre Immobilie an eine Wohngemeinschaft vermieten möchten, sollten sich vorher eingehend Gedanken darüber machen, wie sie das Mietverhältnis gestalten wollen, um möglichst keinen Raum für Konfliktpotenzial zu lassen. Als gängige Spannungsherde gelten die Themen rund um Kündigungsfrist, Nebenkostenabrechnung, Kostenübernahme von Reparaturen und die teilweise oder vollständige Auflösung der Wohngemeinschaft.

Es gibt drei gängige Varianten, die auf unterschiedliche Weise die Rechten und Pflichten beider Parteien regeln.

Erste Variante: Alle WG-Mitglieder sind namentlich als Hauptmieter im Mietvertrag eingetragen. Ganz nach dem Motto „Einer für alle, alle für einen“ haben sie die gleichen Rechte und Pflichten gegenüber dem Vermieter. Kann ein Bewohner seinen Miet- oder Nebenkostenanteil nicht zahlen, haften die anderen dafür. Durch die vertraglich geregelte Gleichstellung aller WG-Mitglieder kann kein Bewohner den anderen vor die Tür setzen.

Hierdurch ergibt sich jedoch die Problematik, dass der Mietvertrag nur gemeinsam von allen Mietern gekündigt werden kann, beziehungsweise, wenn der Vermieter den Vertrag beendet, alle WG-Mitglieder ausziehen müssten.

Äußert nur ein Teil der WG-Mitglieder den Wunsch einer Kündigung, muss nicht der gesamte Vertrag gekündigt werden, sondern es gibt die Möglichkeit, gemeinsam mit den anderen Hauptmietern und dem Vermieter Zusatzvereinbarungen zum Hauptvertrag zu treffen. Will beispielsweise ein Bewohner ausziehen und sucht einen Nachfolger für sein Zimmer, kann der neue Bewohner mittels einer schriftlichen Vereinbarung an die Stelle seines Vorgängers im Hauptvertrag treten.

Zweite Variante: Ein WG-Mitglied übernimmt die volle Verantwortung für alle Bewohner. Er ist alleiniger Hauptmieter und auch nur er haftet – aber für alles. Er zahlt die Kaution, ist für die fristgerechte Zahlung der Miete verantwortlich und hält seinen Kopf für Schäden oder Reparaturen hin. Die anderen Bewohner werden als Untermieter angesehen, die wiederum im Vertragsverhältnis zum Hauptmieter stehen, nicht aber zum Vermieter. Die Auswahl seiner Mitbewohner ist dem Hauptmieter überlassen. Wird ihm gekündigt oder reicht er selbst die Kündigung ein, betrifft das die gesamte Wohngemeinschaft, da nur der Hauptmieter im Vertragsverhältnis zum Eigentümer steht.

Dritte Variante: Der Eigentümer vermietet alle Zimmer seiner Immobilie separat per Einzelmietvertrag und trifft somit die Auswahl der WG-Mitglieder selbst. Diese Variante hat einen großen Vorteil für beide Parteien: Die WG-Bewohner sind autark, haben die gleichen Rechte und Pflichten gegenüber dem Vermieter und kommen nur für die von ihnen entstandenen Kosten auf, was einem normalen Mietverhältnis gleichkommt. Der Nachteil für den Vermieter besteht darin, dass der Verwaltungsaufwand steigt, je mehr WG-Mitglieder in der Wohnung leben.