Laut Statistik-Portal Statista betrug die Scheidungsquote in Deutschland im Jahr 2017 beinahe 38 Prozent. Demnach wird jede dritte Ehe geschieden. Wenn Partner sich zu einer Scheidung entschließen, nimmt nicht nur das verletzte Seelenheil ein tiefgreifendes Ausmaß an. In den allermeisten Fällen steht ein Paar daher bei vollständiger Trennung vor der Situation, die ehemalige Zweisamkeit innerhalb der eigenen vier Wände beenden zu müssen.

Grundsätzlich ist die Auflösung einer gemeinsamen Eigentumswohnung immer von den individuellen Lebensumständen abhängig und einzelfallbezogen. Sie ist abhängig von Familienstand, Alter, Gesundheitszustand, gemeinsamen Kindern oder finanziellen Rahmenbedingungen. Und zu guter Letzt vom willentlichen Einigungsgrad der Trennungs- oder Scheidungspaare. Ihnen stehen mehrere Optionen für die zukünftige Nutzung oder Auflösung der Ehewohnung zur Verfügung.

Einer der beiden Ehegatten übernimmt den Eigentumsanteil des anderen

Gemeinhin betrachtet müsste derjenige, der die Eigentumswohnung oder das Haus weiterhin bewohnen möchte, dem ausziehenden Partner einen finanziellen Ausgleich oder eine Vergütung erstatten. Die Bemessungsgrundlage orientiert sich dabei am bestehenden Marktwert des Eigenheimes. Im Zuge dessen ist auch der Weg zum darlehensgebenden Kreditinstitut erforderlich, denn möglicherweise werden die Belastungen in einen neuen Vertrag mit nur einer Vertragsseite transferiert. Infolgedessen muss geklärt werden, wer zukünftig die Schuldenlast tragen wird. Auch die Unterhaltsleistungen für gemeinsame Kinder werden in diesen Prozess miteingerechnet.

Ehegatten beschließen den Verkauf der Immobilie

In vielen Fällen fehlt einem Partner allein das nötige Kleingeld, um den anderen auszuzahlen, und der Verkauf des Eigenheimes erweist sich als unumgängliche Lösung. Beide Partner aber müssen sich in der Verkaufsabsicht einig sein. Nur wenn sie dies sind, kann die Immobilie veräußert werden. Im besten Fall ziehen die Eheleute in Scheidung während des Verkaufsprozesses an einem Strang, um nach außen hin geeinigt aufzutreten und den bestmöglichen Preis zu erzielen. Nach Abzug der Darlehenskosten wird der Erlös zwischen den Partner aufgeteilt.

Partner behalten die Immobilie, vermieten sie aber

Partner könnten sich darauf einigen, die Immobilie nicht zu veräußern, sondern sie weiterhin als gemeinsames und wertsteigerndes Eigentum zu behalten, das sie später vielleicht selbst nutzen oder den Nachfahren übertragen können. Es lohnt sich, die Wohnung oder das Haus an Dritte zu vermieten und die Einnahmen zu teilen. Auch hierbei müssen die Partner an einem gemeinsamen Strang ziehen.

Eine teilbare Immobilie ermöglicht Wohnungseigentum

Lässt sich eine Wohnung oder ein Mehrfamilienhaus im Eigentum auf mehrere Parteien aufteilen, könnten Scheidungspaare auch in Betracht ziehen, diese aufgrund eines Aufteilungsplanes gemeinsam zu bewohnen. Mittels Teilungserklärung erwirken und begründen sie damit neues Wohnungseigentum. Für die Beurkundung einer Teilungserklärung zeichnet der Notar verantwortlich.

Die Teilungsversteigerung

Verständigen Paare sich bezüglich des Immobilienverkaufs nicht, besteht die Möglichkeit, beim zuständigen Amtsgericht eine Teilungsversteigerung der Immobilie zu beantragen. In diesem Fall wird der reine Verkehrswert der Immobilie durch einen Sachverständigen zwecks Versteigerung ermittelt. Selten erweist sich diese Situation aus finanziellen Gründen für Paare als gewinnbringend. Die meisten dieser „Scheidungsimmobilien“ werden unter dem üblichen Marktwert versteigert.

Antrag auf Wohnungszuweisung Laut Paragraph 1568a des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) „kann ein Ehegatte verlangen, dass ihm der andere Ehegatte anlässlich der Scheidung die Ehewohnung überlässt, wenn er auf deren Nutzung unter Berücksichtigung des Wohls der im Haushalt lebenden Kinder und der Lebensverhältnisse der Ehegatten in stärkerem Maße angewiesen ist als der andere Ehegatte oder die Überlassung aus anderen Gründen der Billigkeit entspricht“. Beantragt ein Partner die Zuweisung der Wohnung für sich, entscheidet das Familiengericht darüber. Gründe hierfür sind zumeist das Wohl der Kinder, aber auch, ob eine alternative Wohnmöglichkeit für einen der Partner überhaupt leistbar oder zu finden ist.

Eine Scheidung und die damit verbundenen Konsequenzen bergen enormes Streitpotenzial.  Ein Ehevertrag, so unromantisch jener vielleicht zu Ehebeginn klingen mag, regelt „in guten Zeiten“, was „in schlechten Zeiten“ viel Geld verschlingen und kräfteraubend sein kann. Während einer Ehe gibt es die Möglichkeit einer Scheidungsfolgenvereinbarung, die sämtliche Besitz- und Familienverhältnisse für den Fall einer Scheidung festzulegen vermag.