Zuhause ankommen, gemütlich im Sofa versinken und die Hektik des Alltags hinter sich lassen. Wunderbar, würden nicht störende Geräusche oder gar Lärm die Ruhe in den eigenen vier Wänden beeinträchtigen. Zu den Dauerbrennern der Ruhestörungen zählen laute Musik und Partys, Renovierung und Heimwerken, Putzen, Rasenmähen, Kinder und natürlich die Vierbeiner. Besonders in Mehrfamilienhäusern oder dicht bebauten Stadtteilen führen diese Klassiker nicht selten zu Konflikten, die im schlimmsten Fall in Dauerstreitigkeiten enden.

In Deutschland geht es bei jedem siebten Nachbarschaftsstreit um Lärm aus verschiedensten Quellen, von Musik bis zum Fußgetrampel aus dem Obergeschoss. Notorische Querulanten sind zum Glück selten und die allermeisten wünschen sich ein gutes Verhältnis zu ihren Nachbarn. Viele Streitigkeiten lassen sich bereits im Vorfeld vermeiden, wenn man die allgemeinen Regeln und Gepflogenheiten für ein harmonisches Miteinander in einem Mehrfamilienhaus beachtet. Im Mietvertrag und in den Gesetzen der Bundesländer finden sich hierzu die einschlägigen Bestimmungen. Ein Recht auf Lärm gibt es nicht. Wohl aber das Recht, in den eigenen vier Wänden ohne unzumutbare Lärmbelästigung leben zu können. Unvermeidbarer, alltagsbedingter Lärm muss hingegen akzeptiert werden. Doch die Lärmkulisse sollte auf ein verträgliches Maß zu bestimmten Zeiten reduziert werden. 

Toleranz und gegenseitige Rücksichtnahme

Ein rücksichtsvolles Wohnverhalten ist die beste Voraussetzung für ein harmonisches Zusammenleben. Als unvermeidbar wird beispielsweise Kinderlärm, vor allem von Säuglingen, eingestuft. Gleiches trifft auf die Geräusche von Alltagsgeräten wie Waschmaschine, Staubsauger oder Küchen- oder Gartengeräten zu. Nicht hingenommen werden müssen dagegen ein lärmender Fernseher, ein lautstarker Großputz um Mitternacht oder zu früher Morgenstunde, kräftiges Musizieren oder Rasenmähen außerhalb der allgemein gültigen Ruhezeiten. Auch Haustiere müssen so gehalten werden, dass Wohnparteien nicht unzumutbar durch dauerhaftes Gebell gestört sind, weil Haustiere unbeaufsichtigt sind und Aufmerksamkeit erregen.

Ruhezeiten beachten

Deshalb gilt im Besonderen, Lärm während der gesetzlich geregelten Nachtruhe in der Zeit von 22 bis sechs Uhr auf Zimmerlautstärke zu begrenzen, ebenso zu den Ruhezeiten an Sonn- und Feiertagen. Die Mittagsruhe von 13 bis 15 Uhr, für die keine bundeseinheitliche Gesetzesregelung existiert, wohl aber in Hausordnungen und Mietverträgen Erwähnung findet, sollte als Gebot der Höflichkeit beachtet oder gemäß eines vorliegenden Hausbeschlusses befolgt werden.

Ruhestörung gilt als Ordnungswidrigkeit

Unzumutbare Lärmverstöße während dieser Ruhezeiten könnten als Ordnungswidrigkeiten geahndet werden. „Ordnungswidrig handelt, wer ohne berechtigten Anlass oder in einem unzulässigen oder nach den Umständen vermeidbaren Ausmaß Lärm erregt, der geeignet ist, die Allgemeinheit oder die Nachbarschaft erheblich zu belästigen oder die Gesundheit eines anderen zu schädigen“, besagt Paragraph 117 des Ordnungswidrigkeitengesetzes. Lärmbelästigung gilt als Ordnungswidrigkeit, die mit einer Geldbuße bis zu fünftausend Euro belegt werden kann. Doch ein nächtlicher Anruf bei der Polizei oder beim Ordnungsamt samt einer folgenden Strafanzeige für den Lärmverursacher sollte die letzte Konsequenz in Sachen Nachbarschaftsverhältnis darstellen.

Kommunikation statt Konfrontation

Das Empfinden von Lärm ist eine subjektive Wahrnehmung. Voraussetzungen für ein friedliches Zusammenleben unter Mietern oder Wohnungseigentümern sind Rücksichtnahme und Toleranz. Nun kann es berufsbedingt oder aus anderen Gründen vorkommen, dass beispielsweise die Waschmaschine nur spätabends eingeschaltet oder just nur dann geduscht werden kann. Der diplomatischste Weg im Umgang mit Lärmstörungen in der Nachbarschaft ist nicht das Anfertigen eines Lärmprotokolls, die Verständigung des Vermieters oder der Anruf beim Ordnungsamt, sondern das persönliche Gespräch! Durch einen direkten Austausch lassen sich viele Missverständnisse und Konflikte bereits Vorfeld ausräumen. Häufig entsteht daraus gegenseitiges Verständnis und Vertrauen, die ein rücksichtsvolles Miteinander fördern.  

Gelebte Nachbarschaftskultur

Steht eine Party auf dem Plan, empfiehlt es sich, die umliegenden Nachbarn oder die Hausgemeinschaft vorab darüber zu informieren. Vielleicht bietet sich damit die schöne Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen und eine Einladung auch im Haus auszusprechen. Das erzeugt in den meisten Fällen Verständnis und Toleranz, sofern sich die Partylaune nicht krawallartig ausbreitet und der Geräuschpegel nach 22 Uhr auf ein verträgliches Maß heruntergeschraubt wird. Kommunikation ist zwar nicht alles, aber das wichtigste Fundament für das Mit- und Nebeneinander in einer Hausgemeinschaft. Auf gute Nachbarschaft!