Beim Thema nachhaltige Immobilien denken die meisten an Baustoffe, Lieferketten und Energieeffizienz. Die Liste „grüner“ Wohnfaktoren ist damit aber noch lange nicht abgeschlossen. Vor allem im Rahmen der jüngeren Diskussionen um die Bekämpfung des Klimawandels wird der Spielraum immer größer, auch die Gestaltung der Inneneinrichtung unter Umweltschutzaspekten miteinzubeziehen. Das Fundament, auf dem dabei nicht nur im wahrsten Wortsinn alles steht, ist der Fußboden.

Nachhaltige Fußböden, das heißt für viele Menschen im ersten Moment Holzpaneele. Nicht ganz zu Unrecht, denn Holz ist als natürlicher Rohstoff, der gut aussieht und zugleich für ein angenehmes Raumklima sorgt, eine attraktive Möglichkeit zur Raumauskleidung. Das geht allerdings auf Kosten der Waldbestände, da Holz viele Jahre braucht, um nachzuwachsen.

Der Klassiker: Holzfußboden

Wenn es dennoch Holz sein soll, so ist die Herkunft entscheidend: Die dramatischen Folgen der illegalen Regenwaldabholzung sind schon lange kein Geheimnis mehr. Gütesiegel wie das des Forest Stewardship Council (FSC) geben Auskunft darüber, aus was für einem Bestand eine Holzsorte stammt und ob sie entsprechend guten Gewissens verbaut werden darf. Um dieses Siegel zu erhalten, müssen zahlreiche Kriterien erfüllt werden, vom Schutz der lokalen Artenvielfalt bis zur Minimierung von Giftstoffen. Wird der Holzboden verklebt, muss zusätzlich noch auf einen möglichst schadstoffarmen Klebstoff geachtet werden. Ebenso sollte das Unterlegmaterial des Fußbodens aus ökologischem Material bestehen. Und auch zur Versiegelung des Holzbodens mit chemischen Stoffen gibt es Alternativen: Natürliche Öle oder Wachse funktionieren genauso gut. Werden Holzböden gut behandelt, können sie gut und gerne mehrere Jahrzehnte überdauern.

Tatsächlich aber ist die Liste der Möglichkeiten beim Thema nachhaltiger Fußboden noch um einiges länger. Die relevantesten Arten haben wir nachfolgend für Sie aufgeführt.

Alternative Beläge – welcher ist der richtige?

Als einer der beliebtesten alternativen Bodenbeläge gilt Kork. Er ist nicht nur leise, warm und weich, sondern auch erneuerbar und zu 100 Prozent biologisch abbaubar. Das Tolle an Kork: Er wird aus der Rinde der Korkeiche hergestellt, die in regelmäßigen Abständen abgeschält wird und wieder nachwächst. Bäume werden für den Korkfußboden also nicht gefällt. Auch beim Korkboden muss jedoch auf die schadstoffarme beziehungsweise -freie Klebstoffwahl geachtet werden – oder es kann gleich auf ein Klicksystem zurückgegriffen werden. Darüber hinaus ist Kork wasserunempfindlich und damit auch fürs Badezimmer geeignet. Nicht zuletzt verfügt er über eine sehr gute Wärmedämmung.

Auch Linoleum eignet sich gut als ökologischer Bodenbelag. Was viele nicht wissen: Linoleum besteht in erster Linie aus Leinölen, Harzen und Jute – alles Rohstoffe, die bereits innerhalb weniger Jahre nachwachsen. Der weitere Inhaltsstoff Kalk ist global en masse vorhanden, weswegen Sorgen um ein Aufbrauchen dieser Ressource unbegründet sind. Linoleum ist darüber hinaus extrem langlebig und mittlerweile in vielen verschiedenen Farben und Mustern erhältlich. Nach Ende seiner Nutzungsdauer kann er problemlos verrotten.

Eine weitere gute Option ist Bambus: Auch wenn dies streng genommen zu den Holzbelägen gezählt wird, fällt ein Bambusboden dennoch nicht unter die „klassischen“ Fußbodenlösungen. Zu Unrecht, denn er ist nicht nur extrem stabil und robust, sondern darüber hinaus leicht zu reinigen und in vielen Farben erhältlich. Zudem erfordert er keine Oberflächenbehandlung. Da Bambus unheimlich schnell nachwächst, kann er alle fünf Jahre geerntet werden. Somit gilt er als einer der nachhaltigsten Bodenbeläge – dies gilt allerdings nur, sofern er nicht vor der Verarbeitung über weite Strecken, etwa aus Asien, umständlich und emissionsstark angeliefert wird.

Stein – der wohl langlebigste Bodenbelag

Bei Naturstein kommt es auf die jeweilige Herkunft und Gewinnungsart an – zum einen ist Stein kein nachwachsendes Material, zum anderen spielen die Transportwege eine große Rolle. Für Naturstein spricht, dass er in der Regel wasserabweisend und praktisch unverwüstlich ist. Ein gutes Beispiel ist regionaler Schiefer. Das Gleiche gilt für Keramikfliesen. Da Fliesen deutscher Markenhersteller keine schädlichen Substanzen beinhalten, kommt es zu keinerlei chemischen Ausdünstungen. Bei den Fugenmassen und Fliesenklebern sollten Verbraucher allerdings auf zertifizierte Siegel achten, die eine ebensolche Umweltverträglichkeit garantieren. Beispiels sind die Emicode-Kennzeichnung „EC1“ sowie das IBU-Siegel der Qualitätsinitiative „Institut Bauen und Umwelt“. Im Gegensatz zu den anderen Bodenvarianten sind Steinböden jedoch eher kalt.

Demgegenüber ist Betonboden nicht an sich nachhaltig, da ein hoher Energieaufwand zur Herstellung nötig ist. Er ist es allerdings insofern, weil er wegen seiner extremen Langlebigkeit eigentlich nie ersetzt werden muss. Aufgrund seiner hohen thermischen Qualität kühlt er im Sommer und wärmt im Winter, was die Kosten sowohl für Heizung als auch Klimaanlage verringert. Außerdem dünstet er keine Giftstoffe aus.

Textile Bodenbeläge – mehr als Wolle

Auch Teppichböden bieten zahlreiche nachhaltige Alternativen. Zusätzlich zum Klassiker Wolle bringen Teppiche aus Pflanzenfasern wie Sisal, Jute und Seegrass natürliche Wärme in die eigene Wohnung und sind darüber hinaus immer ein Hingucker. Allerdings sind sie nicht gut mit Wasser verträglich; außerdem kann gerade Wolle zum Mottenproblem werden. Entsprechende Insektenschutzmittel sind wiederum ökologisch bedenklich. Für pflanzliche Materialien gilt das nicht, diese sind zudem sogar für Allergiker geeignet.

Unterm Strich gilt: Alternativen zu Fußböden aus Kunststoffbelag gibt es zahlreiche. Neben der Auswahl des Materials an sich muss jedoch darauf geachtet werden, dass Ergänzungsprodukte wie Klebstoff oder eventuelle Versiegelungen ebenfalls möglichst schadstoffarm sind. Dann steht dem „grünen“ Fußboden nichts mehr im Wege.