Die Eigentümerquote in Deutschland ist nach wie vor sehr niedrig. Mit 45 Prozent war der Anteil an Wohneigentümern in der Bundesrepublik im europäischen Vergleich zuletzt einer der niedrigsten.[1] Angesichts der steigenden Mietpreise in deutschen Städten stellt sich für viele Menschen jedoch zunehmend die Frage, ob sich ein Immobilienkauf nicht langfristig lohnen würde. Bei dieser Überlegung geht es nicht nur um die Ersparnisse bei den Mietkosten für Selbstnutzer, sondern auch um die Vorteile, die Wohneigentum als Geldanlage bieten kann.

Die Frage „Kaufen oder mieten?“ ist sehr komplex. Die persönliche Lebens- und Arbeitssituation wie auch der Familienstand und jeweilige Standort spielen eine große Rolle und sind individuell verschieden. Daher orientieren wir uns an der folgenden Beispielrechnung. Herr und Frau Becker, ein gutverdienendes Ehepaar, beide Mitte 30, bewohnen eine hübsch sanierte 100m²-Altbauwohnung in Berlin-Spandau. Sie schwanken zwischen zwei Optionen. Denn bisher wohnten sie in ihrer Wohnung zur Miete, hätten nun aber im Sinne eines Vorkaufsrechts die Möglichkeit, ihre Mietwohnung zu kaufen. Immerhin wurde in den vergangenen sechs Jahren die Miete der Beckers gleich zweimal angepasst.[2]

Bei der Aufnahme eines Immobilienkredits würde das Paar derzeit von historisch niedrigen Zinsen profitieren. Da beide vollbeschäftigt sind, könnten sie die Anfangstilgung außerdem recht hoch ansetzen. Die Kombination aus beiden Faktoren bedeutet, dass ein möglichst großer Anteil des Darlehens günstig zurückgezahlt werden kann. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Berechnung des IW-Wohnkostenreports 2018.

Bezogen auf ganz Berlin beträgt die Jahresmiete für eine 100 Quadratmeter-Wohnung derzeit fast 10.000 Euro, der Kapitaldienst (Wohnnutzerkosten) hingegen nur etwa 6.300 Euro pro Jahr. Daraus ergibt sich ein durchschnittlicher wirtschaftlicher Vorteil von 34 Prozent. Berechnet wurde dieser Wert auf Basis eines Eigenkapitals von 21 Prozent.

Im Rechenbeispiel wird ein Finanzierungszeitraum von 35 Jahren zugrunde gelegt. Bei den Beckers wird dieser Zeitraum kürzer sein. Sie haben als Doppelverdiener ausgerechnet, dass sie bereits nach 25 Jahren, und somit vor dem Rentenalter, ohne Restschulden in der eigenen Wohnung leben werden.

Die Entscheidung, rechtzeitig Wohneigentum zu erwerben, eröffnet Singles wie auch Paaren einen großen finanziellen Spielraum und entlastet sie besonders nach* Eintritt der Rente. Hinzu kommt die Wertsteigerung der Immobilie im Laufe der Zeit. Wenn es die Lebensumstände erlauben, sollte ein Paar, wie das Beispiel der Beckers zeigt, also das günstige Zinsumfeld nutzen, um die Vorteile der eigenen Immobilie so bald wie möglich genießen zu können.

https://www.accentro.ag/publikationen/wohnkostenreport/
[1] www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/hohe-immobilienpreise-junge-menschen-kaufen-seltener-ein-eigenheim-a-1150951.html
[2] www.wohnungsboerse.net/mietspiegel-Berlin/2825