Shabby Chic, Vintage, Art Déco, Hygge, Wabi Sabi, Slow oder Modern Living. Noch überschlägt sich das Internet nicht mit Berichten darüber, welcher Wohntrend im neuen Jahr angesagt ist und welcher passé. Dennoch taucht bereits auf einigen Interieur-Sites ein Ausblick auf Einrichtungstrends des Jahres 2020 auf. Seit längerem ergänzt eine weitere Wohnphilosophie das Portfolio beliebter Interieurentwürfe: Japandi.

Ein Trend? „Trends halten immer nur kurz an, aber die Verbindung zwischen Japan und Dänemark ist etwas, das bestehen bleibt“, wird Thomas Lykke von OEO Studio in Kopenhagen in houzz.de zitiert. Ihm zufolge sei Japandi mehr als bloß ein Trend: „Für mich ist es eher ein Teil unserer DNA. Die Grundlage dafür ist unsere Liebe zu Ritualen, eine gewisse Bescheidenheit und ein tiefer Respekt vor der Handwerkskunst und vor den Dingen, die sie hervorbringt“.

Japandi oder auch Japanordic – Japan und Skandinavien unter einem Dach

Der Luftweg zwischen Japan und der Skandinavischen Halbinsel sowie im Speziellen Dänemarks beträgt über 8.700 Kilometer. Würde man die Strecke zu Land bewältigen, betrüge die Fahrstrecke mehr als 13.000 Kilometer. Zwei weit voneinander entfernte Kulturen und Lebenswelten, die seit über 150 Jahren den kulturellen Austausch und dänisch-japanische Handelsbeziehungen pflegen. Nun ziehen Skandinavien und Japan auch in Sachen Interior Design an einem gemeinsamen Strang.

Der Wohnstil Japandi, der auch als Japanordic bekannt ist, vereint sowohl skandinavisches als auch japanisches Wohngefühl. Funktionalität, klare und einfache Formen, Naturfarben, ein unaufdringliches Erscheinungsbild und die Handwerkskunst stehen in der ausdrucksstarken wie harmonischen Formsprache von Japandi im Vordergrund. Ein Einrichtungsstil, der die Schlichtheit und Ästhetik des hohen Nordens mit jener der Inselnation im Osten verbindet.

Ikebana goes Hygge

Einfachheit, Reduktion, Funktionalität, Minimalismus statt Maximalismus und Zurückhaltung mit einer großen Portion Gemütlichkeit. Das sind jene Merkmale, die man sowohl dem japanischen als auch dem skandinavischen Wohnentwurf zuschreiben kann. Und so handelt es sich In ihren Grundausrichtungen um zwei einander ähnliche Stile. „Weniger ist mehr“ lautet das Motto für Skandinavisches und Japanisches Wohnen wie Leben mit dem Ziel von Entschleunigung, Ruhe und Entspannung.

Schrille oder übermäßig viele Möbel und Design-Accessoires gehören nicht in ein Raumkonzept nach Japandi. Die harmonische Reduktion auf das Wesentliche steht im Vordergrund. So lautet beispielsweise eine Grundregel der japanischen Wabi-Sabi-Philosophie: „Beschränke alles auf das Wesentliche, aber entferne nicht die Poesie“.

Akzente zur Wohlfühlatmosphäre: Naturmaterialien und Naturfarben

In beiden Stilrichtungen werden gern Naturmaterialien und Naturfarben für Einrichtungsgegenstände verwendet, was die Kombination, Ergänzung oder Erweiterung beider Stile eigentlich erleichtert. Dennoch unterscheiden sie sich zum Beispiel in der Farbgebung und in wenigen, aber besonders ausgewählten Deko-Elementen. „Während im Skandi-Bereich vor allem helles Holz zum Einsatz kommt, ist der japanische Einrichtungsstil für seine dunklen Holzarten sowie Elemente aus Bambus, Steingut und Papier bekannt. Bei Japandi darf bunt gemischt werden“, lautet ein Tipp in Schöner Wohnen. Nur allzu bunt geht es bei Japandi nicht zu …

… Sehen Sie schwarz?

Die Farbe Schwarz, die eigentlich keine Farbe ist, kommt in Japans Wohnwelten bei Möbeln oder Accessoires gern zum Einsatz und ist typisch in klar strukturierten, eleganten, japanischen Wohnräumen. Dies können der Rahmen eines Paravents, ein Zeitungsständer oder auch ein schwarzes Tee-Service aus Steingut sein. Letzteres verpasst dem skandinavischen Sideboard aus hellem Holz als Deko-Element eine fernöstliche Nuance. Auch ein japanisches Ikebana-Blumengesteck auf einem dänischen Möbelstück wäre eine passende Kombination beider Stile.

Japan und Skandinavien lieben das Handwerk

Sowohl in Japan als auch in Skandinavien nimmt die Handwerkskunst einen hohen, traditionellen Stellenwert ein. „Handgefertigte, schlichte Objekte wie Geschirr, Vasen oder Accessoires bringen eine persönliche und gleichzeitig einzigartige Note in die eigenen vier Wände, da es sich bei diesen Dingen meist um Unikate handelt“, so ein Japandi-Gestaltungstipp in Schöner Wohnen. Das lässt sich doch bestimmt einrichten!