Das Bonmot, demzufolge es bei einer Immobilie drei Kriterien – erstens die Lage, zweitens die Lage und drittens die Lage – zu beachten gäbe, ist sicherlich übertrieben. Doch es hat auch einen wahren Kern. Denn während man die Gestaltung einer Wohnung verändern, die Bausubstanz verbessern und den Kaufpreis verhandeln kann, ist die Lage einer Immobilie unabänderlich gegeben. Zwar kann sich die Umgebung wandeln, etwa durch Bautätigkeit oder eine geänderte Verkehrsanbindung. Doch dieser Prozess nimmt Jahre, wenn nicht Jahrzehnte in Anspruch. Daher sollten Käufer nicht nur die Immobilie gründlich prüfen, sondern sich auch einen sorgfältigen Eindruck der Umgebung verschaffen. Hierbei wird zwischen Mikrolage und Makrolage unterschieden.

Die Mikrolage bezeichnet das nähere Umfeld der Immobilie. Dieses kann von objektiven wie subjektiven Faktoren positiv oder negativ beeinflusst werden. Zu den objektiven Faktoren zählen die Verkehrsanbindung, das Vorhandensein von Kindergärten und Schulen, Lebensmittelmärkten und anderen Geschäften, Arztpraxen und Apotheken, aber auch der typische Stil und Zustand der Gebäude.

Je nach Lebenssituation werden Käufer dabei auf andere Aspekte achten. Wer regelmäßig mit der Bahn pendelt, wäre etwa durch einen umständlichen Weg zum Bahnhof stärker belastet als Haushalte, die hauptsächlich auf Fahrrad und Auto zurückgreifen. Großen Einfluss hat das Vorhandensein von Kindern. Während für Eltern die Nähe zu Kindergärten und Schulen im Alltag eine große Entlastung darstellt, spielt sie für ein kinderloses Paar keine Rolle. Allenfalls eine mögliche Geräuschbelastung in der unmittelbaren Nachbarschaft wäre hier zu berücksichtigen.

Nicht vernachlässigen sollte man einen gründlichen Blick auf mögliche Einschränkungen der Wohnqualität. Besonders in städtischen Lagen ist die Lärmbelastung ohnehin oft hoch, hinzu können vielbefahrene Straßen, S-Bahn- oder Straßenbahntrassen oder die Einflugschneise eines Flughafens kommen. Allerdings ist nicht allein die Lautstärke entscheidend. Weil die meisten Menschen nachts Geräusche stärker wahrnehmen, können sich z. B. nächtlicher oder frühmorgendlicher Lieferverkehr deutlich negativ auf das Wohlbefinden auswirken, selbst wenn es sich dabei nicht um eine außerordentlich laute Aktivität handelt.

Bei der Einschätzung des subjektiven Wohlfühlens sollte man auch auf das eigene Bauchgefühl hören. Spaziergänge zu verschiedenen Tageszeiten, an Werktagen und am Wochenende können dabei helfen, ein Gefühl für die Umgebung zu entwickeln. Zusätzlich lohnt es sich, jahreszeitliche Veränderungen zu antizipieren. Wie wird sich z. B. die Vegetation und damit der Lichteinfall in einer Straße verändern? Ist die Verkehrsanbindung auch bei Schnee und Eis gesichert? Sorgen Grünflächen und Luftströmungen für ein angenehmes Klima im Sommer? Wenn man darüber hinaus die Menschen, Geschäfte, Cafés und dergleichen aufmerksam beobachtet, entwickelt man ein recht gutes Gespür für die Umgebung.

Die Zeit, die man dafür investiert, ist gut angelegt. Schließlich ist es allemal besser, vor dem Umzug zu prüfen, ob man sich im neuen Zuhause wohlfühlen wird oder nicht, als hinterher unliebsam überrascht zu werden.