Viele haben sicherlich schon einmal etwas über den „Pass fürs Haus“ oder die EnEV gelesen. Dahinter verbirgt sich die Energieeinsparverordnung des Bundes, die auf eineEU-Initiative zur CO2-Einsparung zurückgeht. Wie hoch oder gering der Verbrauch einer Immobilie ist, belegt ein Energieausweis. Bereits seit 2009 muss ein Eigentümer bei der Neuvermietung oder dem Verkauf einer Immobilie auf Verlangen einen Energieausweis vorlegen. 2016 wurden die Bedingungen für den Ausweis noch einmal aktualisiert.[1]

Vor allem Käufer, aber auch Mieter erhalten einen Eindruck über den energetischen Zustand eines Gebäudes. Der Ausweis kann darüber Auskunft geben, welche möglichen Sanierungsmaßnahmen auf den Besitzer zukommen könnten. Sowohl Eigentümer einer selbst genutzten Immobilie wie auch Kapitalanleger, die als Vermieter auftreten, sollten außerdem wissen, dass es verschiedene Arten und Ausstellungsformen des Dokumentes gibt.

Für alle Immobilien, deren Bauantrag vor dem Jahr 1977 gestellt wurde, sowie für Neubauten muss ein so genannter „Bedarfsausweis“ erstellt werden. Dieser gibt Auskunft über den Energieverbrauch basierend auf Daten zur Bausubstanz und der Heizungsanlage einer Immobilie. Die Daten werden von einem Gutachter festgestellt, der vor Ort beispielsweise die Beschaffenheit der verbauten Fenster, die Dicke der Wände und den Standard der jeweiligen Dämmung prüft. Ausgehend von einer durchschnittlichen Raumtemperatur von 20 Grad Celsius wird dann der Energiebedarf der Immobilie berechnet. Die Kosten für den Bedarfsausweis liegen aufgrund des relativ hohen Aufwands bei etwa 500 Euro. Für Bauten mit gemischter Nutzung existieren für die gewerblichen Teile eigene Ausweise.

Für Gebäude, die nach 1977 gebaut wurden und für solche, die mehr als fünf Wohneinheiten haben, gilt diese Regelung nicht. Hier besteht lediglich die Verpflichtung, einen „Verbrauchsausweis“ vorzulegen. Dieser beruft sich auf die Verbrauchszahlen der letzten drei Jahre und wird je nach Zuständigkeit von einem Energieberater oder Gutachter ausgestellt. Es reicht auch ein fachkundiger Mitarbeiter vom Energiedienstleister. Die Kosten für einen Verbrauchsausweis liegen für kleinere Wohneinheiten bei maximal 150 Euro. Sowohl der Bedarfsausweis wie auch der Verbrauchsausweisgelten jeweils für zehn Jahre.[2]

In beiden Fällen enthält der Energieausweis sowohl Auskunft über den Verbrauch als auch Empfehlungen für Modernisierungs- und Sanierungsmaßnahmen. Die betreffenden Gebäude werden außerdem auf einer Skala von A+ (0-25 kWh pro Quadratmeter pro Jahr/niedriger Verbrauch) bis H (>250 kWh pro Quadratmeter pro Jahr/hoher Verbrauch) nach Energiebedarf, beziehungsweise Energieverbrauch und Primärenergiebedarf bewertet. Letzteres bezeichnet die Menge des Energieträgers wie etwa Öl oder Erdgas, der benötigt wird, um die jeweilige Heizleistung zu erreichen. In diesem Wert spiegelt sich also die Effizienz wider, mit der die Immobilie geheizt wird.

Sowohl Eigentümer als auch potentielle Mieter und Käufer können aus einem Energieausweis wichtige Anhaltspunkte über den Zustand der Immobilie sowie zukünftige Kosten erhalten. Dabei muss allerdings auf die ordnungsgemäße und genaue Erstellung des Ausweises geachtet werden. Das individuelle Nutzungsverhalten der Mieter kann sich zudem stark auf die Energiebewertung einer Immobilie auswirken. Das gilt sowohl für den Verbrauchs- als auch für den Bedarfsausweis. Beide Varianten werden inzwischen auch im Internet auf entsprechenden Plattformen zum Download angeboten. Diese – meist sehr preiswerten – Angebote sind jedoch mit Vorsicht zu betrachten, denn die relevanten Daten müsste der Eigentümer selbst angeben. Kommt es hier zu Eingabefehlern, haftet er daher unter Umständen selbst. Besonders für die Erstellung eines Bedarfsausweises sollte unbedingt auf einen Spezialisten zurückgegriffen werden.

In jedem Fall sollte man auf das Ausstellungsdatum des jeweiligen Ausweises achten. Der Energieausweis kann durchaus eine gute Hilfe sein. Je aktueller seine Ausstellung zum Verkaufs- oder Vermietungszeitpunkt ist, desto relevanter ist er für den jeweiligen Interessenten. Eigentümer sollten jedoch beachten, dass der Energieverbrauch bei einer leerstehenden Immobilie deutlich unter dem Realverbrauch im vermieteten Zustand liegen kann.

[1] http://www.bmub.bund.de/themen/bauen/energieeffizientes-bauen-und-sanieren/energieausweise/

[2] https://energiepass.wordpress.com/2016/03/02/keine-verbrauchsbasierten-energieausweise-mehr-nach-enev-2016/