Im Englischen gibt es ein kleines Sprüchlein, das man Kindern vor dem Schlafengehen gern sagt, um ihnen eine gute Nacht zu wünschen: „Good night, sleep tight, don’t let the bedbugs bite“ – schlaf schön und lass dich nicht von den Bettwanzen beißen. Bei jedem, der tatsächlich schon mal mit Bettwanzen zu tun hatte, sorgt dieser Gute-Nacht-Spruch aber wohl kaum für ruhigen Schlaf, sondern eher für schlimmste Alpträume.

Bettwanzen waren schon einmal so gut wie ausgestorben, haben allerdings Resistenzen gegen einige Pestizide entwickelt und sich dank des globalen Tourismus an vielen Orten der Welt verbreitet. Zahlreiche westliche Metropolen gelten als Bettwanzen-Hotspots, zum Beispiel New York und Paris, aber auch in Berlin haben sich die Parasiten bereits ziemlich breit gemacht. Meist bringt man Bettwanzen von der Urlaubsreise mit, weil man in einem befallenen Hotel oder einer Ferienwohnung übernachtet hat und sich die Tierchen im Koffer versteckt haben. Man kann sie sich aber zum Beispiel auch durch Käufe auf dem Flohmarkt ins Haus holen.

Wanzenstiche sind meist sehr unangenehm

Ein häufiger Irrglaube ist übrigens, dass Bettwanzen mit mangelnder Hygiene in Verbindung zu bringen seien. Tatsächlich ist es Bettwanzen egal, ob es zu Hause schmuddelig oder sauber ist; sie brauchen nur ein Plätzchen zum Verstecken, zum Beispiel im Bettkasten, hinter den Leisten oder sogar hinter einem Lichtschalter. Und weil Bettwanzen so gut darin sind, sich zu verstecken, ist es auch so schwierig, sie erstens zu erkennen und zweitens zu bekämpfen.

Ein guter Indikator sind natürlich die Stichstellen (anders als der eingangs erwähnte Gute-Nacht-Spruch suggeriert, beißen Bettwanzen nicht, sondern stechen und saugen), die in der Regel als rote Punkte oder auch Quaddeln auftreten und meistens sehr stark jucken. Eine Möglichkeit, Wanzenstiche von anderen Insektenstichen zu unterscheiden, ist das Erkennen von „Wanzenstraßen“: Wenn die Bettwanze beim ersten Stich kein Blutgefäß erwischt hat, krabbelt sie ein Stück weiter und versucht es noch einmal. So kommt es, dass Wanzenstiche oft in Reihen beziehungsweise in Gruppen auftreten.

Außerdem finden sich die Stiche oft am Unterarm, am Unterschenkel, am Fuß oder am Hals – also an den Stellen, die nachts freiliegen. Bettwanzen kommen nämlich so gut wie immer nur nachts aus ihren Verstecken, in diesem Punkt liegt der berüchtigte Gute-Nacht-Spruch absolut richtig. Listigerweise entstehen die juckenden Punkte und Quaddeln nicht immer sofort nach dem Stich, sondern manchmal mit einer zeitlichen Verzögerung von bis zu einer Woche.

Kammerjäger dringend empfohlen

Wenn man eine Wanzenstraße am Körper entdeckt, sollte man sich auf die Suche nach dem Versteck der kleinen Biester machen, was aber, wie gesagt, gar nicht so leicht ist. Erkennen lassen sich Bettwanzenverstecke an kleinen schwarzen Punkten (das ist der Kot) und an Überbleibseln der Häutungen. Oftmals gelingt es aber erst dem Kammerjäger, die Verstecke aufzuspüren und den endgültigen Beweis für den Wanzenbefall zu erbringen.

Apropos – ein Kammerjäger sollte unbedingt eingeschaltet werden. Alleine wird man Bettwanzen kaum los. Der Kammerjäger sprüht dann in der Regel Gift, das die Wanzen gleich tötet. Weil er aber selten alle Verstecke findet und alle Wanzen erwischt, und weil später noch Wanzen aus Eiern schlüpfen können, wird in der Regel noch ein zweites Gift versprüht. Das wird aktiviert, wenn die Tiere nachts aus ihren Verstecken kommen und über das Gift laufen. Oft reicht es übrigens nicht, wenn der Kammerjäger nur einmal kommt, sondern die Bekämpfung kann sich über mehrere Wochen hinziehen.

Die Kosten muss in der Regel der Mieter übernehmen

Der Kammerjäger kann außerdem nicht die ganze Arbeit übernehmen, sondern ist auf die Mitwirkung der Bewohner angewiesen. Möglicherweise befallene Kleidung zum Beispiel sollte bei 60 Grad gewaschen oder bei 60 Grad in den Trockner gelegt werden. Stark befallene Dinge, die man nicht dringend benötigt, wirft man – gut verpackt in Plastikfolie – besser weg. Eine Möglichkeit ist auch, Dinge für mehrere Tage in die Tiefkühltruhe zu legen oder für eine Stunde bei mindestens 55 Grad in den Backofen.

Der Aufwand jedenfalls ist groß, und der Kammerjäger kostet natürlich Geld. In einer Mietwohnung muss die Kosten in den meisten Fällen der Mieter tragen, sofern er nicht nachweisen kann, dass die Wohnung schon vor seinem Einzug befallen war. Der Mieter muss den Vermieter außerdem in der Regel über den Befall informieren.

Am besten ist es natürlich, wenn man einen Wanzenbefall von vornherein verhindern kann. Dazu ist es sinnvoll, im Hotel unter der Matratze und in der Nähe des Betts nach kleinen Kotspuren Ausschau zu halten. Und den Koffer sollte man geschlossen und möglichst weit vom Bett entfernt aufbewahren – zum Beispiel im Bad. Wer schon einmal von Bettwanzen geplagt wurde, wird sich solche Vorsichtsmaßnahmen leicht angewöhnen. Denn die Furcht, dass die Bettwanzen zurück sind beziehungsweise nie ganz weg waren, begleitet einen häufig noch über einen sehr langen Zeitraum.