Ein Balkon kann das Argument für eine Anmietung oder einen Kauf sein – schließlich erweitert er jede Wohnung um ein eigenes kleines Freiluft-Reich. Und dieses will selbstverständlich individuell gestaltet und bepflanzt sein. Doch voll und ganz seine Vorlieben ausleben, das geht nur, solange kein Dritter dadurch belästigt oder in seinen eigenen Rechten beschnitten wird.

Bei der Frage, was erlaubt ist und was nicht, entscheidet deshalb häufig die Intensität der Nutzung. Grillen ist grundsätzlich erlaubt, aber eben nicht immer und nicht beliebig oft. Die Rechtsprechung ist zwar nicht einheitlich, aber mehr als ein Grillabend pro Monat zwischen April und September dürfte schwierig durchzusetzen sein, wenn sich ein Nachbar davon belästigt fühlt. Außerdem wird ein Elektrogrill bei Ausdünstungen weniger unangenehm empfunden als ein Kohlegrill. Letzterer birgt zudem aufgrund des offenen Feuers eine Brandgefahr.

Mieter und Eigentümer entscheiden selbst über Bepflanzung

Eine Bepflanzung des Balkons ist indes in den meisten Fällen zulässig. Eine Palme in der Ecke oder ein buntes Blütenmeer muss nicht jedem gefallen. Aber es steht dem Nutzer frei, darüber zu entscheiden, sofern Blumenkästen, -ampeln und -töpfe ordnungsgemäß gesichert sind und keine Gefahr darstellen. Wenn allerdings in einer Wohnungseigentümergemeinschaft eine einheitliche Fassadengestaltung vereinbart wurde, muss sich ein Nutzer gegebenenfalls damit abfinden, dass Pflanzkästen etwa auf der Balkonbrüstung nicht erlaubt sind.

Auch bauliche Veränderungen sind in der Regel nur möglich, wenn Einigkeit unter den Eigentümern herrscht oder eine Genehmigung des Vermieters vorliegt. Eine Markise statt eines Sonnenschirms, ein Sichtschutz oder ein Netz, um die Katzen auf dem Balkon zu halten – über all das kann ein Balkoninhaber nicht völlig frei entscheiden. Als allgemeine Regel gilt, dass alles, was die Erscheinung des Hauses oder gar die Bausubstanz beeinträchtigen könnte, entweder vorher abgesprochen werden muss – oder von vornherein ausgeschlossen ist.

Dass ein Vermieter beispielsweise rankende Pflanzen wie Wein oder Efeu, die das Mauerwerk schädigen können, nicht dulden muss, sollte jedem Mieter einleuchten. Auch deshalb sollte man im Zweifelsfall stets im Vorfeld das Gespräch suchen. Denn manche Nachbarschaft ist schon an zu viel trocknender Wäsche auf dem Balkon gescheitert.

Nachtruhe einhalten Der Balkon ist keine Ausnahmezone. Ab 22 Uhr greift die gesetzliche Nachtruhe, und wie bei zu viel Krach im Wohnzimmer droht auf dem Balkon bei Verstößen ein Bußgeld. Auch andere Freizügigkeiten und Vorlieben sollten nur gut dosiert ausgelebt werden. So ist grundsätzlich nichts dagegen einzuwenden, sich „oben ohne“ oder nackt auf dem Balkon zu sonnen – allerdings nur, solange sich niemand dadurch gestört fühlt. Dann nämlich sind die Grenzen zur Störung der öffentlichen Ordnung fließend, was wiederum mit einem Bußgeld geahndet werden kann.