Ordnung halten ist nicht jedermanns Sache. Wir erinnern uns: „Es ist Zeit aufzuräumen“. Ein regelmäßiger, elterlich geäußerter Wunsch, die Zimmer meistens vor dem Zubettgehen in Ordnung zu bringen. Eine Erinnerung an Kindheitstage, die sich in jüngster Zeit zu einem allgemeinen Hype etabliert hat. Denn das Aufräumen liegt im Trend. Bücher, Magazine und soziale Netzwerke sind voll mit Aufräumtipps und geben Erwachsenen Nachhilfe im Halten von Ordnung. Man ist also in bester Aufräum-Gesellschaft, wenn man ausmistet und entrümpelt. Neuerdings nicht alleine, sondern mit vereinten Kräften.

Die japanische Bestsellerautorin Marie Kondo macht beinahe der ganzen Welt vor, wie man nachhaltig Ordnung in sein Leben bringt. Als Ordnungsberaterin und weltbekannte Aufräum-Expertin ist sie derzeit in aller Munde, als Gast in Fernseh- und Radiosendungen und äußerst präsent wie erfolgreich auch in YouTube, Instagram oder Facebook. Seit Anfang dieses Jahres läuft Kondos Saga „Aufräumen mit Marie Kondo“ als Serie im Streamingdienst Netflix.

Auch in ihren Büchern, Seminaren und Workshops offenbart die Unternehmerin die KonMari-Methode, wonach das „Magic Cleaning“ das Leben der Menschen verändert und sie zufriedener sein lässt. Ordnung macht also glücklich. Anders als andere Modelle es propagieren, räumt man bei der KonMari-Methode nicht Raum für Raum auf, sondern man systematisiert vorab seinen Wohnungsinhalt und kategorisiert nach Kleidern, Schuhen, Schreibtischzubehör, Bettwäsche, Küchenutensilien et cetera. Jeder einzelnen Kategorie nimmt man sich dann zügig und fokussiert an. Man sichtet die erfassten Teile, begutachtet und mistet sie nach Wertigkeit aus. Es sollten nur diejenigen Stücke behalten werden, die Freude bereiten und Bedeutung erlangt haben. Alle anderen Habseligkeiten einer Kategorie entsorgt man, verkauft oder gibt sie weiter, um sprichwörtlich reinen Tisch zu machen. Besondere Erinnerungsstücke mit emotionalem Wert für den Besitzer sortiert man zu allerletzt aus. So tastet man sich von Kategorie zu Kategorie und schließt ein Themenfeld nach dem anderen ab.

„Behalte nur die Dinge, die du liebst. Alles andere wirf weg“, so das Motto, denn ein chaotischer Raum gleiche einem chaotischen Geist. Der Ordnungsratgeberin zufolge nämlich seien rund zwei Drittel der angesammelten Dinge in einer Wohnung entbehrlich. Behalten sollte man nur jene Dinge, die Spaß und glücklich machen und Bedeutung tragen.

Kondos Philosophie dahinter ist, sich auch darüber den Kopf zu zerbrechen, wie man leben will, und wie wichtig ein Gegenstand für das eigene Leben ist. Es solle ein Bewusstsein für die Wertigkeit von Dingen in seinem Lebensbereich geschaffen werden. Welche Sache soll uns zukünftig begleiten, welche nicht, wie möchte man sich kleiden, was braucht man wirklich, welche Bücher behält man, und an welchem Platz möchte man ein bestimmtes Stück wiederfinden.  

Grundsätzlich wird nach der KonMari-Methode mit der verpflichtenden Vision gestartet, selbst aufzuräumen und seine erwünschte Lebensvorstellung folglich auch selbst umzusetzen. Eine Grundsatzidee und das Anlagen von Skizzen könnten der Vorstellung dienlich sein, wie der Lebensraum aussehen soll. Jeglichen Ballast sollte man verwerfen, indem einzelne Wohnsegmente von unbedeutenden, unnötigen Gegenständen befreit werden.

In YouTube-Tutorials beschreibt Kondo sogar das richtige Falten, Hängen und Aufbewahren von Kleiderstücken und das Verstauen von Leder- in Ledertaschen und Stoff- in Stofftaschen. Nach der KonMari-Methode ist unter anderem auch das Sortieren des Kleiderschranks nach Farben, Funktion, Accessoires, Sport- oder Abendbekleidung ratsam, um bei der Zusammenstellung der jeweiligen Garderobe Platz und zu sparen und einen überschaubaren Überblick zu erlangen.

Ziel der KonMari-Methode ist, nach der Aufräumaktion nur noch Dinge in seinem Wohnraum zu besitzen, die glücklich machen und unersetzlich sind, um eine bestehen bleibende Grundordnung in seinen Wohn- und Lebensverhältnissen zu erreichen und nicht Tag für Tag von Neuem für Ordnung sorgen zu müssen.

Auch die Schwedin Margareta Magnusson, eine ältere Dame, die in ihrem Leben mit unzähligen Umzügen beschäftigt gewesen ist, zeigt mit ihrer Methode „Döstädning“ oder „Death Cleaning“, wie man sein Leben am besten ordnet. Und auch sie rät dazu, sich von Dingen zu trennen, die man nicht mehr braucht und wofür man keinen Platz hat. Das Ziel ist das gleiche wie jenes der KonMari-Methode: Nicht nur sein Zuhause, sondern auch sein Leben in Ordnung zu bringen.

Das Aufräumen liegt also im Trend. Daher müssen wir nicht bis zu nächsten Frühjahrs- oder Weihnachtsputz auf dieses zur Zeit „magische“ Ereignis warten. Laut YouGov begeben sich übrigens rund 27 Prozent der Deutschen halbjährlich auf Aufräumtour. Zirka 21 Prozent tun dies in unregelmäßigen Abständen, wenn es wieder „Zeit ist aufzuräumen“.